Elektrowinde ESW-2 B

Seit dem Jahr 2001 werden die Segelflugzeuge in Pohlheim mit einer Weltneuheit geschleppt.

Die Konstruktion

Mit fast 30 Winden und mehr als 200.000 Starts hat sich das Konzept der batteriegestützten, mobilen Elektrostartwinde bestens behauptet.

Es ist das bisher weltweit einzige Konzept, das ohne Turbokupplung / Wandlergetriebe auskommt und trotzdem perfekt geregelte Startabläufe ermöglicht.
Ebenso ist es unter den wenigen, bis heute betriebenen Elektrowinden die Einzige, welche mit Anschlussleistungen von 7 bis 20 kW betrieben werden kann und trotzdem mechanische Abgabeleistungen von bis zu 205 kW entwickelt, und das für bis zu 20 Doppelsitzerstarts pro Stunde (bsp.: ASK 21 auf 400 Meter bei leichtem Gegenwind).

Die Elektrostartwinde ESW-2B ist keine neue, exotische Erfindung, sondern eine konsequente Weiterentwicklung aus bestehenden Baugruppen unter Einbezug gängiger Industriekomponenten, welche sich mittlerweile in der Praxis bewährt hat. Wer sich für so eine Winde entscheidet, tritt gleichzeitig eine Entscheidung für eine ganze Reihe von Vorteilhaften Eigenschaften, die den Windenschlepp umweltfreundlicher, kraftvoller, einfacher und vor allem preiswerter machen.

Die nachfolgende Liste enthält die wesentlichen Konstruktionsmerkmale und Eigenschaften, durch die sich die ESW-2B von konventionellen Winden unterscheidet:

  • Absolut abgasfrei, umweltfreundlich und superleise
  • Reduktion der mechanischen Einrichtungen auf Gehäuse, Seileinzug / Kappvorrichtung, Winkelgetriebe mit Seilauszugsbremsen und abgedeckten Trommeln, daher absolut wartungsarm und praktisch verschleißfrei
  • Ersatz des kompletten Antriebes inkl. Wandlergetriebe durch einen wartungs- und verschleißfreien Drehstrom-Normmotor (bürstenloser Kurzschlussläufer). Er ist immer startbereit und kennt auch bei allerhöchster Belastung keinen Kaltlaufverschleiß, der sonst besonders den Dieselantrieben so zusetzt.
  • Bis zu 8 m/s² einstellbare Startrollbeschleunigung, unabhängig von der Startmasse immer gleich
  • Automatisch geregelter Übergang in den stationären Schlepp unabhängig vom Windeinfluss
  • Erleichterte Bedienung durch integrierte Regelunterstützung
  • Der elektronische Motorregler enthält auch die Ladeeinrichtung für die notwendigen Pufferbatterien. Er ist ebenso wie die Batterien in das Windengehäuse integriert, völlig wartungs- und verschleißfrei
  • Als Pufferbatterien dienen 50 preiswerte KFZ-Starterbatterien > 88 Ah / 12 V mit einer Lebensdauer von ca. 5 bis 6 Jahren, annähernd unabhängig von der Schleppzahl
  • Absolut preiswert bei Energieverbrauch und Abschreibung

Kostenbeispiel (inkl. Mehrwertsteuer):

Energieverbrauch 1,2 kWh
(Doppelsitzer auf 400 Meter; 20 ct/kWh)
0,24 €
Seilverschleiß
(bei ca. 2200 Starts/Kunststoffseil; 1,10 €/m; 1000m)
0,59 €
Batterieabschreibung
(2000 Starts/Jahr; Lebensdauer 6 Jahre)
0,49 €
Windenabschreibung
(2000 Starts/Jahr; 30 Jahre; exkl. Batterien)
1,45 €

Gesamtkosten je Start 2,77 €



Seitenansicht Trommel

Bedienpult von oben


Dokumente

Betriebsanleitung (ausschließlich für den Prototypen EV7B gültig)
Wartungsanweisung
Entstehungsgeschichte

Weitere Informationen unter: www.startwinde.de

Die Betriebsgrenzen

  • Elektrisch betriebene Doppeltrommelwinde in Längsschleppanordnung als Auflieger für LKW oder Anhänger
  • Außenmaße L x B x H in mm: 3000 x 2000 x 1300 zuzügl. abnehmbare Fahrerschutzgitter
  • Gewicht: 4 Tonen, komplett inkl. 50 Batterien a 12 V / 88 Ah, jedoch ohne Fahrgestell
  • Max. Schleppmasse: 850 kg
  • Max. einstellbare Anzugsbeschleunigung für Schleppmasse bis 600 kg: 8 m/s²
    (für Schleppmasse 850 kg noch ca. 7 m/s²)
  • Längste Seilauslage (Stahl Ø 4,6 mm / Dyneema Ø 5 mm): 1.800 m / 2.500 m
  • Längste Seilauslage mit Sondertrommel, Dyneema Ø 5 mm): 3000 m
  • Kürzeste Seilauslage für ca. 250 m Ausklinkhöhe: 700 m
  • Max. Gegenwindkomponente: 20 Kt (ca. 40 km/h)
  • Max. Rückenwindkomponente: 5 Kt (ca. 10 km/h)
  • Max. Seileinzugsgeschwindigkeit: 120 km/h
  • Max. einstellbare Abgabeleistung: 155 kw (210 PS)
    (65 km/h Seileinzug, 850 daN Seilkraft)
  • Max. Spitzenabgabeleistung: 205 kW (280 PS)
  • Anschlussleistung: 7 kW bis 20 kW, je nach Bedarf bzw. Netzanschlussmöglichkeit
  • Standardanschlussleistung: 12 kW oder 15 kW
  • Max. 20 Doppelsitzerschlepps pro Stunde (ASK 21 auf 400 Meter bei leichtem Gegenwind)
  • Einfachste Bedienung durch elektronische Regelunterstützung
  • Zur Standardausrüstung gehört u.a.:
    • Automatische, verschleißarme Seilauszugsbremse
    • 230 V Steckdose
    • Gelbes Blitzlicht
    • Einklappbarer Fahrerschutz

Elektrostartwinde mit Schlepphöhenrekord

Bei einem vorläufigen Test mit maximalen Seilauslagen in Frankreich wurden durchaus interessante Ausklinkhöhen erziehlt:

Flugzeug Ausklinkhöhe Seilauslage
ASK 21 900 m 2000 m
ASK 13 1248 m 3000 m
Ka 8 1235 m 3000 m

Verwendet wurde ein 5 mm starkes Dyneema - Schleppseil bei annähernd Windstille.

Auf Grund der guten Ergebnisse wurden daraufhin die Seiltrommeln angepasst, so dass jetzt auch bis zu 850 kg Schleppmasse mit maximaler Seilauslage geschleppt werden können.

Die Standardversion fasst jetzt eine maximale Seillänge von 2500 Metern.
Mit einer verfügbaren Trommelsonderversion sind bis zu 3000 Meter Seillänge möglich (Kunststoffseil, Dyneema, Ø 5 mm).

Nach wie vor kann die Winde ohne Umrüstmaßnahmen wahlweise mit Stahl- oder Kunststoffseil betrieben werden.

Auszug aus Zeitungsartikel der Gießener Tageszeitung:

Weltneuheit bei den Pohlheimer Segelfliegern

Unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit hat sich bei den Pohlheimer Segelfliegern eine Weltpremiere abgespielt. Erstmals gehen die Segelflugzeuge des Vereins wirklich umweltfreundlich in die Luft. Bekanntlich halten sich die Segelflugzeuge nur deshalb in der Luft, weil sie sich in aufsteigender Thermik bewegen. Diese wiederum entsteht durch die Sonneneinstrahlung. Nun kann aber so ein Segelflugzeug nicht einfach vom Boden aus allein durch Thermik in die Höhe gelangen, es muss erst auf eine Höhe von etwa 400 Meter gebracht werden, erst da sind die thermischen Kräfte stark genug. Um in diese Höhe zu gelangen bedient man sich entweder eines anderen (Schlepp-) Flugzeuges oder einer Seilwinde, deren Kraft aus einem LKW-Motor kommt. Wie auch immer: Ein Motor muss laufen, Treibstoff wird (wenn auch sehr wenig) benötigt und Abgase entstehen. So auch bisher bei den Pohlheimern. Seit ein paar Tagen ist jetzt aus Zukunftsträumen Wirklichkeit geworden: Nach langer Entwicklungszeit durch das Vereinsmitglied und Firmeninhaber Jürgen Volk ist der Verein als erster weltweit im Besitz einer Segelflugwinde mit Elektroantrieb, unterstützt mit Akkus. Es gibt zwar schon einige wenige Elektrowinden, diese werden aber ohne Akkus direkt am Netz betrieben und sind für den mobilen Einsatz nicht geeignet. Vergleichbar ist diese Winde mit einer herkömmlichen mit einem 350 PS-Diesel-Motor. Es sind praktisch keine Verschleissteile vorhanden. Die 50 Bleibatterien (in Reihe geschaltet) bringen einen normalen Segelflieger mit einem Energiebedarf von ca. 1 kWh auf die benötigte Flughöhe. Das entspricht einem Durchschnittspreis von etwa 0,13 €. Auch auf die Stromherstellung hat der Verein mittlerweile Einfluss. Da durch die neue Photovoltaikanlage auf dem Hallendach der Strom hergestellt wird, kann man bei den Pohlheimern wirklich behaupten, dass deren Segelflieger nun nicht nur mit Hilfe der Sonnenkraft fliegen, sondern auch vom Boden abheben.

Nachdem die Zulassung der neuen Winde von den Behörden erteilt wurde, sind die ersten Starts erfolgreich durchgeführt worden.

Wer sich über diesen zukunftsweisenden Weg der Segelfliegerei näher informieren möchte (aber nicht nur der), ist auf dem Segelfluggelände in Pohlheim herzlich willkommen.

Webcam